Ora, ora, et labora,
Bergmann betet, ruft „Glück Auf“,
fährt hinab in tiefe Schächte
gleich des Vaters Lebenslauf.
Schauen selten nur die Sonne,
blicken sehnsuchtsvoll ins All,
spüren Schöpfung unter Tage,
Kohle, Freundschaft, Bergkristall.
Staub und Dreck den Körper plagen,
Milch und Kumpel geben Kraft,
Höllenlärm, kaputte Knochen,
dankbar sein, weil man was schafft.
Vater stirbt an einem Herbsttag,
überm Grab die Sonne lacht,
Bergmannstränen, Trauer, Hoffnung,
dunkle Stille, Schicht im Schacht.
Feierabend früh am Morgen,
Mond schickt blasses, trübes Licht,
Bergmann sieht im eignem Sohne
seines Vaters Angesicht.
©Susanne Demmer